9. November 2020

Die Welt und Gott in Sossenheim

Pfarrerin Charlotte Eisenberg startet Interviewreihe „Mer lasse die Kärsch im Dorf“

Die Pfarrerin der evangelischen Regenbogengemeinde Charlotte Eisenberg kommt auch im Netz mit den Menschen ins Gespräch. Von Anne Will und anderen ist die Haltung vertraut: Die Beine leicht schräg angewinkelt, in der Hand Karten mit Stichworten für Interview oder Diskussion. Pfarrerin Charlotte Eisenberg hat für den Auftakt der Interviewreihe „Mer lasse die Kärsch im Dorf“, auf Sicheres gesetzt, blauer Blazer, passendes Shirt, dazu gibt es einen prominenten Gast: Uwe Serke, Landtagsabgeordneter der CDU aus dem Frankfurter Westen.

Charlotte Eisenberg hat vergangenes Jahr das Pfarramt in der Regenbogengemeinde in Sossenheim übernommen. Während ihr Vorgänger eher auf Telefon als Social Media setzte, hat die Theologin Accounts auf Twitter, Facebbook und Instagram angelegt. Die in Kronberg Geborene und in der Wetterau Aufgewachsene ist keine der Pfarrerinnen, die ihren Beruf großteils im Netz ausüben. Doch sie will nicht nur „auf der Gass“, im Sonntagsgottesdienst sondern eben auch im Netz anzutreffen sein.
Open Air fand das Gespräch mit Uwe Serke statt. Dort, wo die beiden – evangelische Pfarrerin und katholischer Landtagsabgeordneter – beieinander saßen, hatten sie sich kennengelernt, auf dem Sossenheimer Kerbeplatz. Charlotte Eisenberg war mit ihrer Familie unterwegs – „und er hat mich sehr freundlich begrüßt“. Uwe Serke sei „so ein richtiger Sossenheimer Bub, der kennt wirklich jeden“.
Zum Warm-up gab es ein paar Fragen wie: Äppler oder Bier. Uwe Serke war unentschieden, bei Main oder Nidda und entschied sich für die Nidda. Darauf folgte die Gretchenfrage: Wie halten Sie es mit dem Glauben? Er sei in der Familie da reingewachsen, und als vor wenigen Wochen seine Mutter starb, „hat mir der Glauben geholfen“. Der CDU-Politiker äußerte sich äußerst offen, etwa auch dazu, was es für ihn heißt, dass seine, die katholische Kirche, ihn als Wiederverheirateten nicht zur Eucharistie zulässt. Die Kirche solle endlich gesellschaftliche Entwicklungen nachvollziehen, „ohne beliebig zu werden“, so sein Statement.
Wen er aus der Bibel gerne kennenlernen möchte, lautete eine weitere Fragen der evangelischen Pfarrerin. Den Paulus, schließlich habe er einen Wandel durchlebt von seinen Anfängen als Saulus. Eine Wahl, die Eisenberg gut nachvollziehen kann. Heute sei vieles in Schwarz-Weiß aufgeteilt, argumentierte Uwe Serke, da gefalle ihm jemand wie der Paulus gut.
Und wohin er mit Jesus in Sossenheim ginge? Die Antwort des Landtagsabgeordneten kam prompt: „Ins Bistro Ali.“ In der Bierkneipe könne man gut ins Gespräch kommen. Zeigen würde er Jesus idyllische Natur im Stadtteil und Plätze, wo Autoreifen wild abgelagert werden. Beide, Gemeindepfarrerin und Landtagspolitiker, sind sich einig, Sossenheim ist Dorf und zugleich Stadtteil mit sozialen Problemen. Ein zweiter und ein dritter Blick lohnen. Das Interview ist hier zu sehen.

Weitere Interviewpartnern, die Charlotte Eisenberg bereits im Kasten hat, sind Roger Podstatny, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender im Frankfurter Römer, und Franz Kissel, der Vereinsringvorsitzende des Stadtteils. „Ich habe schon eine Reihe von Frauen für die Reihe angefragt, aber sie waren erstmal zögerlicher“, meint Charlotte Eisenberg, doch sie bleibe dran. Ebenso will sie demnächst eine engagierte Sossenheimerin zu Kärsch-Interviews vor die Kamera holen. red

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