5. Februar 2020

„Nehmen Sie uns ernst!“

In der Aula der IGS West hielt Ortsvorsteherin Susanne Serke beim Neujahrsempfang des Ortsbeirates 6 eine engagierte Rede. Foto: Schlosser

Freundliche, aber deutliche Kritik am Magistrat übte Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU) beim Neujahrsempfang des Ortsbeirats 6 am vergangenen Freitag. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) versuchte Serkes mahnende Wort weg zu lächeln.

Die Sossenheimerin, die dem Parlament des Frankfurter Westens seit 2016 vorsteht, erinnerte daran, dass es die Mitglieder der Ortsbeiräte sind, die sich vor Ort um die „Probleme des alltäglichen Lebens“ kümmern. Explizit nannte sie die tägliche Suche nach Parkplätzen, Autos in Halteverboten und illegal abgelagerten Sperrmüll. „Nein, das sind nicht die Themen, für die zu Presseterminen eingeladen wird. Aber es sind die Themen, die uns alle hier vor Ort beschäftigen.“ Und weil die lokalen Politiker so dicht an den Menschen und ihren Befindlichkeiten sind, hatte Susanne Serke eine klare Ansage an Peter Feldmann, der wie immer leicht verspätet in der ersten Reihe Platz genommen hatte: „Die Stadt sollte mehr auf den Ortsbeirat hören. Nehmen Sie uns und unsere Anregungen ernst!“
Dabei war sich die CDU-Politikerin sicher, auch für ihre Kollegen der anderen Fraktionen zu sprechen. Denn auch wenn man bei vielen Sachfragen oft miteinander diskutiere, ginge es doch allen um das Wohl der Menschen im Frankfurter Westen. „Deshalb ziehen wir letzten Endes auch meist an einem Strang. Denn allein kann keiner von uns etwas erreichen – nur gemeinsam sind wir stark.“
Wie viel der Ortsbeirat 6 im vergangenen Jahr gearbeitet hat, darüber legte Susanne Serke anschließend einige Zahlen vor: So dauerten die neun Sitzungen 2019 zusammen mehr als 30 Stunden. 536 Tagesordnungspunkte wurden dabei beraten. Die Fraktionen des Ortsbeirats haben 324 Vorlagen eingebracht, von denen 254 an Magistrat und Stadtverordnetenversammlung weitergereicht wurden. Vom Magistrat kamen außerdem 300 Stellungnahmen, mit denen sich das Gremium ebenfalls befasste. Darüber hinaus gab es eine Vielzahl von Ortsterminen, auch in Sossenheim.
Ihr Bedauern äußerte Susanne Serke darüber, dass der Bolongaropalast nun frühestens im Jahr 2022 fertig wird und ihr Wunsch, dort die letzte Sitzung des Ortsbeirats vor der nächsten Kommunalwahl im nächsten Frühjahr abzuhalten, nun doch nicht in Erfüllung gehe.
Oberbürgermeister Peter Feldmann begegnete der Kritik von Susanne Serke mit einem freundlichen Lächeln und einem dicken Lob für das Engagement der Menschen im Frankfurter Westen. „Es hat hier eine lange Tradition, sollte aber trotzdem nicht als Selbstverständlichkeit gesehen werden.“
Bei den Themen Bolongaropalast und Porzellanmuseum gab sich Peter Feldmann reumütig: „Die Kritik an mangelnder Information habe ich wahrgenommen und verstanden.“ Die Arbeiten am Bolongaropalast verzögerten sich zurzeit durch Schwierigkeiten beim Spezialtiefbau. „Trotz aller Widrigkeiten überwiegt bei mir die Vorfreude. Wir können uns alle glücklich schätzen – der Bolongaropalast wird ein Leuchtturm im Frankfurter Westen“, sagte Peter Feldmann. MS

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