Im Rahmen der noch bis zum 27. September dauernden Ausstellung zu Leben und Wirken des Pallottiner-Paters Richard Henkes, hatte die katholische Pfarrei St. Margareta am vergangenen Montagabend in die Kirche Sankt Michael eingeladen. Der Wiesbadener Autor Peter Neumaier stellte sein Buch „Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir weiterleben werden!“ vor.
Bereits vor vier Jahren war der Autor mit seinem Buch „Wehe dem der allein ist“ zu Gast in St. Michael und daher kein Unbekannter. Erzählte er in jenem Band von einem dunklen Kapitel der Lebensgeschichte seines Großvaters, so stand diesmal der Onkel väterlicherseits, Kurt Neumaier, mit seinen Briefen, die er in den Jahren 1937 – 1945 aus dem Arbeitslager Tiefenort in Thüringen an seine Frau Gretl in München schrieb. Vom Nazi-Regime als „Halbjuden“ eingestuft, mussten die beiden Zwangsarbeit leisten.
Die Organisation Todt sollte in den thüringischen Salzstollen die unterirdische Rüstungsproduktion ausbauen. Der Münchener Rechtsanwalt Kurt Neumaier wurde am 13.Oktober 1944 mit 150 weiteren zur Zwangsarbeit verurteilten Menschen nach Tiefenort transportiert. Die zahlreichen Briefe und Postkarten, die der einstige Rechtsanwalt von dort nach München schickte, geben ein lebendiges Zeitzeugnis ab, da darin das Leben in dem Arbeitslager ausführlich geschildert wird. Das Ausmaß der Unmenschlichkeit, denen unliebsame Menschen im so genannten Dritten Reich ausgesetzt waren, macht im Nachhinein tief betroffen, zumal man heute über ein weitaus höheres Maß an Wissen über die Geschehnisse und Zusammenhänge von damals verfügt.
Wegschauen und sich ducken, wenn anderen Menschen Unrecht geschieht, sollte niemals eine Handlungsoption sein, darin war sich auch das Publikum des Abends einig. Die politische Entwicklung in unserem Land gibt derzeit manchen Anlass zur Sorge. Peter Neumaier schloss den Abend mit einem Zitat des Schriftstellers Umberto Eco, der mahnte, der Urfaschismus sei – teils in unschuldigen Gewändern – immer noch unter uns. mi