1. September 2026

Ein Abend im Zeichen der Spontaneität

Offene Bühne im „Kirchwerk“

Das Trio Stefan Strasser, Manuel Reiter am Akkordeon und Peter Hankiewicz an der Gitarre auf der „Bühne“. Fotos: Weber/mk

Es war ein Abend ganz im Zeichen der Spontaneität: Die Open Stage am vergangenen Samstag in der kleinen evangelischen Kirche, „Kirchwerk“ lebte von überraschenden Momenten, von Mut und von der Lust, einfach mal auf die „Bühne“ zu gehen.

Den Auftakt machte Tim Pohl, der diese Woche gleich zweimal in Sossenheim zu erleben war – am Donnerstag bei der After-Work-Party auf dem Kirchberg und nun am Samstagabend in der Kirche. Er begeisterte mit Klassikern wie „Mr. Brightside“, „Creep“, „Wicked Game“, „Hey Jude“ und „Englishman in New York“.

Danach betrat Branka Pajalic die Bühne. Mit einleitenden Dankesworten an Philipp Ruess, Stefan Strasser und das gesamte Kirchwerk las sie ein altes chinesisches Märchen über Freundschaft, Liebe und Glauben – die Geschichte vom Prinz Reiskorn. Dazu gab es spannende Infos rund um das Thema Reis.

Ausnahmsweise mal keinen Irish Folk brachte anschließend das Trio Stefan Strasser, Manuel Reiter am Akkordeon und Peter Hankiewicz an der Gitarre auf die Bühne. Mit Tom Waits’ „Shiver Me Timbers“ nahmen sie das Publikum mit auf die hohe See. Während danach ihre Lieder über an Land Gebliebene und einen Hai erklangen, flogen Seifenblasen durch die Kirche – zur großen Freude der Kinder.

Ein besonderer Gänsehaut-Moment folgte mit Stefanie Gross: Ganz spontan sang sie mit ihrer wunderbaren Stimme eine Strophe „Amazing Grace“ ohne Begleitung. Danach ließ sie das Publikum entscheiden: dramatisch, lustig, blutrünstig-schräg oder ein Appell an die Fantasie? Das Publikum wählte gruselig – und wurde nicht enttäuscht mit einer Geschichte über die Wesen der Nacht. Danach wurde es tierisch-sozial mit Geschichten über eine Zimtschnecke und Mister Knäcke.

Stefanie Gross.

Nachdenklich wurde es mit Lars Kunze: Er las Kurt Tucholskys Gedicht „Deutschland, erwache!“ von 1930 – ein Text, der sich heute wie ein Kommentar zu unserer Gegenwart liest. Tucholskys Warnruf wurde so zum Spiegel für das Heute.

Nach der Pause legten dann Tarja und Bianka Kunze sowie Berit und Petra Weber ganz spontan einen Tanz aufs Parkett – ein schöner, ungeplanter Moment.

Ein weiterer spontaner Auftritt kam von Regina Holzinger. Sie griff zur Gitarre und nahm das Publikum mit auf eine Reise durch die Themen Geld, Liebe und Glaube: Mit dabei waren der vor rund 100 Jahren geschriebene Blues-Klassiker „Nobody Knows You When You’re Down and Out“ sowie „Fields of Gold“ und „Wade in the Water“. Gemeinsam mit Eva sang sie außerdem „Jolene“ zum Gedenken an die kürzlich verstorbene Dolly Parton. Auf Wunsch von Branka Pajalic erklang zum Abschluss noch „Tumbalalaika“.

Regina Holzinger

Mit Humor konterte Lars Kunze erneut: In „Mein Recht als Staatsbürger“ erzählte er eine lustige Anekdote. Peter Hankiewicz entführte mit einer englischen Folk-Ballade in eine andere Zeit: „Lady Isabel and the Elf Knight“, eine rund 300 Jahre alte Ballade mit ursprünglich 80 Strophen, erzählte von Love-Scamming, wie es offenbar schon vor Jahrhunderten betrieben wurde.

Zum offiziellen Abschluss gaben Manuel Reiter, Stefan Strasser und Peter Hankiewicz hinter der Theke ein Shanty über die Royal-Navy-Rum-Tradition zum Besten – „Up Spirits – Stand Fast the Holy Ghost“ – und danach gab es, ganz der Tradition entsprechend, für jeden einen Schluck Rum.

Doch Schluss war noch lange nicht: Ganz spontan enterte noch ein junger Engländer die Bühne und sang das mitreißende Folk-Lied „Rattlin’ Bog“.

Einmal mehr zeigte sich: Die besten Abende sind wohl jene, die der Spontaneität Raum geben. Die nächste „Open Stage“ findet am 28. November im „Kirchwerk“ statt. mk

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