Einen musikalischen Ausflug in die Welt des Barocks und der Renaissance erlebten die Besucher am Sonntagabend im KirchWerk in der Sossenheimer Regenbogenkirche. Das Ensemble La Vigna war mit seinem Programm „Der wohlriechende Myrrhengarten – eine barocke Vesper“ zu Gast und nahm das Publikum mit auf eine Reise in eine Zeit, in der Musik und Glaube eng miteinander verbunden waren.
Ausgangspunkt des ungewöhnlichen Programms war ein barockes Gebetbuch aus dem Jahr 1701 des Kapuzinerpaters Martinus von Cochem. Das zu seiner Zeit weit verbreitete Werk gibt einen eindrucksvollen Einblick in die Lebenswelt und Frömmigkeit der Menschen vor mehr als 300 Jahren. Texte daraus wurden in die Struktur einer Vesper eingebettet und mit Musik auf historischen Instrumenten verbunden.
Dabei ging es keineswegs nur besinnlich zu. Freude und Hoffnung, aber ebenso Traurigkeit und Verzweiflung gehören zu den starken Gegensätzen der barocken Klangwelt. La Vigna ließ diese unterschiedlichen Affekte mit der für die Zeit typischen Verzierungs- und Improvisationspraxis lebendig werden. Gerade im Kirchenraum der Regenbogenkirche entfalteten die historischen Instrumente dabei ihren besonderen Reiz.
Durch den Abend führte Stefan Strasser vom KirchWerk, der den Zuhörern die Hintergründe zu Musik, Instrumenten und der Idee des Abends vermittelte. Auch an diesem Abend stand das ehrenamtliche Helferteam des Kirchwerks parat, diesmal vertreten durch Annett Hankiewicz, Lars Kunze und Stefan Jüptner.

Gemeinsam wurde nachgemessen: stolze 195 Zentimeter.
Für eine kleine Geschichte am Rande sorgte ausgerechnet der jüngste Besucher: Der zweijährige Moritz entdeckte die ungewöhnlich große Theorbe des Lautenisten Christian und brachte ihm kurzerhand einen Zollstock. Der Musiker ließ sich nicht lange bitten und maß sein Instrument vor den Augen des neugierigen Nachwuchses nach. Das Ergebnis: stolze 195 Zentimeter. Damit war nicht nur eine bislang ungeklärte Frage beantwortet – Moritz hatte zugleich für einen der charmantesten Momente des Abends gesorgt.
Das Konzert konnte mit Unterstützung der EKHN Stiftung veranstaltet werden. Dadurch war es dem KirchWerk möglich, die Einnahmen des Abends vollständig dem Förderverein Evangelische Regenbogengemeinde / KirchWerk zukommen zu lassen. Sie fließen damit unmittelbar in die weitere Arbeit und den Erhalt des lebendigen Kultur- und Begegnungsortes in Sossenheim.
Mit La Vigna setzte das KirchWerk seine Reihe besonderer Kulturveranstaltungen in der Regenbogenkirche fort – und zeigte einmal mehr, dass sich in dem alten Kirchenraum Musik, Geschichte, Begegnung und manchmal sogar ein Zollstock ganz selbstverständlich zusammenfinden. mk