1. Oktober 2020

Verlängerung vor Gericht

Nach Skandalspiel in Eschborn löst die SGS die erste Mannschaft auf

Das ist ein neuer Tiefpunkt für den Sossenheimer Fußball: Nachdem ein Auswärtsspiel der ersten Mannschaft der SG Sossenheim Anfang September in Eschborn mit Prügeleien und Polizeieinsätzen endete, hat der Verein die Mannschaft vom Spielbetrieb in der Kreisoberliga zurückgezogen. Nach den zu erwartenden Strafen sind einfach nicht mehr genügend Spieler da.

Was genau beim Derby gegen den FSC Eschborn am 6. September passiert ist, werden wohl die Gerichte aufarbeiten müssen. Die beteiligten Mannschaften beschuldigen sich gegenseitig provoziert, beleidigt, gespuckt und getreten zu haben. Laut Polizeibericht sind es allerdings vor allem Sossenheimer Spieler, gegen die nun ermittelt wird. Schon während des Spiels hat danach ein Sossenheimer einen Eschborner derartig verletzt, dass die Polizei gerufen wurde.

Nach dem Schlusspfiff ging es dann weiter. Laut Polizei haben zwei Sossenheimer Spieler im Alter von 25 und 26 Jahren einen 28-Jährigen aus dem Eschborner Team geschlagen. Als das Opfer schon am Boden lag, sollen die beiden auch noch nach ihm getreten haben. Außerdem soll der 26-Jährige einen 32-jährigen Mann aus Eschborn bespuckt und beleidigt haben.

Besonders schlimm ist, dass die erste Mannschaft der SGS als Wiederholungstäter gilt. Erst im Frühjahr 2019 war ein Spiel in Sulzbach in ähnlicher Weise eskaliert und fünf Spieler aus Sossenheim wurden mit langen Sperren belegt. Trotzdem gelang dem SGS-Team – das fußballerisch über große Qualitäten verfügt – der Aufstieg in die Kreisoberliga.

Als Konsequenz aus den jüngsten Vorfällen in Eschborn hat SGS-Trainer Zamar Schokory die Mannschaft nun vom Spielbetrieb zurückgezogen. Das heißt, die SGS tritt seit Mitte September freiwillig nicht mehr an. Jedes Spiel wird mit 0:3 gewertet und die Mannschaft wird am Saisonende absteigen.

Die Begründung von Schokory ist allerdings eigentümlich: „Da wir schon in der Vergangenheit einige Probleme mit dem Richter hatten (…), habe ich keine Hoffnung auf ein Urteil, in dem für uns entschieden wird. Somit machen wir die Bühne noch vor der Urteilssprechung frei“, ließ er sich im Online-Fußballmagazin „fupa.net“ zitieren. Kein Wort darüber, dass er selbst beschuldigt wird, an den Tumulten in Eschborn nicht ganz unschuldig gewesen zu sein.

Tatsächlich liegt der Rückzug daran, dass der ersten Mannschaft im Falle von neuen, langen Sperren schlicht die Spieler ausgehen. „Der Trainer hatte nicht mehr sehr viele Spieler. Die waren schon sehr dünn besetzt“, berichtet Roger Podstatny, der Vorsitzende der SG Sossenheim.

Er ist ganz und gar nicht begeistert von den Zuständen rund um die erste Mannschaft und will nun einen Neuanfang in der Fußballabteilung einleiten. „Wir beraten uns, wie es mit der Abteilung weitergehen wird. Eines ist aber sicher: Es wird auch weiter Fußball in der SG Sossenheim geben.“ Podstatny erinnert daran, dass es neben der ersten und zweiten Mannschaft auch noch eine große Jugendabteilung gibt, die in fast allen Jahrgängen aktiv ist.

Probleme mit der ersten Mannschaft gab es danach auch vereinsintern. Der Posten des Abteilungsleiters ist schon länger nicht mehr besetzt. Die Kommunikation zwischen den Fußballern und der Vereinsführung war zuletzt sehr dürftig. So kann Roger Podstatny als Vereinsvorsitzender derzeit nicht einmal sagen, wie es um das Sportgerichtsverfahren rund um die Vorfälle in Eschborn steht.

Alte Sossenheimer haben sich längst von den Fußballern abgewandt, obwohl die nun aufgelöste Mannschaft die erfolgreichste war, die jemals an der Westerbachstraße gespielt hat. Ein langjähriger Abteilungsleiter der Fußballer ist schockiert, was aus seinem Verein geworden ist: „Ich schäme mich für diese Mannschaft.“ MS

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