27. Oktober 2016

Wenn der Rollator „abhaut“

Begegnungszentrum informierte zum Umgang mit Mobilitätshilfen

Physiotherapeut Detlev Mingram zeigte bei einer Info-Veranstaltung im Begegnungszentrums Toni-Sender-Straße, wie die Bremse bei einem Rollator auf schrägem Untergrund wertvolle Hilfe leisten kann. Foto: Mingram

Für viele  Besucher des Begegnungszentrums Toni-Sender-Straße ist der Rollator ein ständiger Begleiter. Bei einer Info-Veranstaltung tauschten sich Betroffene und Helfer über Probleme im Umgang mit der Gehhilfe aus und bekamen einige Tipps mit auf den Weg.

Der Rollator ist aus unserem Stadtbild schon lange nicht mehr weg zu denken. Mobilitätseingeschränkte Personen, die vor der Etablierung des praktischen Gerätes auf die Hilfe von Begleitpersonen angewiesen waren, wissen ihren „Rolli“ sehr zu schätzen. Doch es gibt auch Probleme beim alltäglichen Umgang damit.
Physiotherapeut Detlev Mingram, der auch als Referent an der Altenpflegeschule des DRK in Kronberg tätig ist, hat auf seinem Weg durch die Stadt immer wieder den Eindruck, dass Nutzer von Rollatoren – wenn überhaupt – eine nur ungenügende Einweisung für das Überwinden oder Umfahren von Hindernissen erhalten haben. So beobachtet er beinahe täglich, wie Rollatoren von hilfsbereiten Personen über Kopf in den Bus gehievt werden oder gehbehinderte Menschen sich nicht trauen, eine Bordsteinkante zu überwinden.
„Der Rollator sollte grundsätzlich  am Boden bleiben“, stellte der Referent klar. „Wird das Gerät angehoben, besteht erhöhte Unfallgefahr.“ Um Stufen oder Schwellen zu überwinden, leisten die Bremsen, verbunden mit entsprechender Gewichtsverlagerung, wertvolle Hilfen. Die Bremsen sind es auch, die bei entsprechender Anwendung den Rollator auf den schrägen Bürgersteigen in der Spur halten.  Ein wichtiges Kriterium für den sicheren Umgang mit Rollatoren und Gehstöcken ist die korrekte und individuell einstellbare Länge des Gestänges. Eine falsche Einstellung führe, so der Physiotherapeut, zu Fehlbelastungen und neuen Beschwerden.
Viele Probleme sind jedoch nicht mit einfachen Handgriffen zu lösen. Alle Teilnehmer der Veranstaltung wussten von Hindernissen und gefährlichen Situationen im Straßenverkehr zu berichten. Vor allem die schrägen Bürgersteige Sossenheims – und das dadurch bedingte „Abhauen“ des Rollators – wurden als häufiges Ärgernis genannt. Auch sollten die Busse näher an die Bürgersteige heran fahren, um die – vor allem beim Aussteigen – stark gefürchteten Gräben zu verhindern. Ungeduldige Radfahrer machen vor allem gehbehinderten Menschen die Benutzung der Bürgersteige oft zur Qual.
Detlev Mingram ermutigte die Nutzer von Rollatoren dazu, ihren Platz auf den Bürgersteigen zu behaupten, wenn sie von Radfahrern zum Ausweichen genötigt werden. „Wenn Radler älter als zwölf Jahre sind, handeln sie durch die Nutzung des Gehweges und die Nötigung von Fußgängern im doppelten Sinne gesetzeswidrig.“
Sehr umstritten war bei den Teilnehmern der Vorschlag, einen beweglichen Abstandshalter am Rollator anzubringen. Derart offensiv mochte man sich doch nicht in den Straßenverkehr begeben. Sascha Brenninger, Leiter des Begegnungszentrums, nahm gerne den Vorschlag aus dem Publikum auf, eine Ortsbegehung zu organisieren, bei der die Kommunalpolitik auf Gefahrenschwerpunkte für Nutzer von Rollatoren und Rollstühlen im Bereich Toni-Sender-Straße bis zum Ortskern aufmerksam gemacht wird. mi

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