30. Juni 2016

Kirche setzt auf Natur

Die Weidenkapelle ist ein neues Projekt des pastoralen Raumes Höchst

Fröhliche Gesichter unter der Weidenkuppel – trotz Regen. Foto: Mingram

Neue Wege beschreiten die fünf katholischen Gemeinden des pastoralen Raumes Frankfurt-Höchst. Eine Steuerungsgruppe, bestehend aus Mitgliedern von St. Michael in Sossenheim, St. Josef in Höchst, St. Dionysius in Sindlingen, St. Bartholomäus in Zeilsheim und St. Johannes Apostel in Unterliederbach, verwirklichte eine Idee, die Kirche neu erlebbar macht.

Wenn der alte Spruch Regen bringt Segen zutrifft, kann das Innovationsprojekt wohl jede Menge himmlisches Wohlgefallen verbuchen. Sowohl beim Baubeginn als auch bei der Einweihung der Weidenkapelle am Höchster Stadtpark öffnete der Himmel seine Schleusen. Doch unbeirrt von Wasser, Matsch und Donnergrollen, wurde am 17. Juni auf dem Gelände der Alten Gärtnerei am Stadtpark die Weidenkapelle als Gotteshaus im Freien eröffnet. „Eine tolle Regenparty!“, freute sich Stefan Hecktor, der als Pächter der 8.000 Quadratmeter großen ehemaligen Stadtgärtnerei sozusagen Hausherr ist, angesichts der guten Stimmung bei den etwa 80 Gästen.

Nicht erst seit die Kirchen einschneidenden Sparzwängen unterliegen, hat man erkannt, dass Kirche neu belebt werden und andere Wege gehen muss, um die Menschen anzusprechen. „In der Natur sind wir der Schöpfung besonders nah“, präzisierte Claudia Lamargese, Gemeindereferentin der Gemeinde St. Johannes-Apostel in Unterliederbach. Auch Sigrid Pörtner vom Bischöflichen Ordinariat ist von der Idee „Kirche im Grünen“ angetan und war bei der Einweihung anwesend. „Ein-Weihung“ ist in diesem Fall allerdings nicht ganz wörtlich zu nehmen, denn eine klassische Weihe hat nicht stattgefunden. Somit ist die Weidenkapelle vom theologischen Standpunkt aus nicht einer „echten“ Kapelle gleichzusetzen. Nach ausgiebigen Planungen über gut zwei Jahre hinweg, wurde bereits Anfang dieses Jahres mit den „Bauarbeiten“ begonnen. Nicht Steine, Mörtel oder Beton, sondern in Töpfen vorgezogene Steckhözer bilden das Mauerwerk der Weidenkapelle. Begünstigt durch den kräftigen Regen der vergangenen Wochen, grünt es bereits ordentlich und lässt den Kirchencharakter deutlich erahnen. Mit jedem Tag wird das Dach nun dichter. Praktischerweise ist der Fachmann für das Gärtnerische nicht weit: Stefan Hecktor, Betreiber des gleichnamigen Blumenhauses in Unterliederbach, ist als aktives Mitglied der Gemeinde St. Johannes auch in der Steuerungsgruppe tätig. Schon lange dient die Gärtnerei, die sein Geschäft mit Blumen und Pflanzen versorgt, als Treffpunkt für Familien der Gemeinde St. Johannes. Insofern ist das Projekt Weidenkapelle eine Weiterentwicklung dieser gastlichen Veranstaltungen. Unter einem Blätterdach, geformt aus Weidenruten, umgeben von vielen grünenden und blühenden Pflanzen, steht das Kreuz, wie es auf den Altären der christlichen Kirchen zu finden ist. Davor sollen sich künftig Menschen begegnen, um zu beten, zu feiern und Gemeinschaft zu erleben. Praktisch und ökologisch gedacht war der Kauf einer Kompost-Toilette, bei der Sägespäne zum Einsatz kommen, was nach der Entsorgung der Pflanzenwelt zu Gute kommt. Gute Ideen gedeihen in dieser Umgebung ebenso wie all das Grün und haben reelle Chancen auf Verwirklichung. Vor allem Familien lieben das Umfeld, da dem Bewegungsdrang der Kinder kaum Grenzen gesetzt sind. „Nur die Gewächshäuser sind tabu“, stellt Stefan Hecktor klar. mi

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