20. Dezember 2019

„Man darf sich nicht länger als einen Tag böse sein“

Marianne und Hans Hochrein sind seit 65 Jahren verheiratet

Persönlich kam Oberbürgermeister Peter Feldmann ins Sossenheimer Volkshaus, um Marianne und Hans Hochrein zur Eisernen Hochzeit zu gratulieren. Foto: Stadt Frankfurt/Menzel

Während in Frankfurt täglich etwa elf Ehen geschlossen werden, können die wenigsten Paare auf 65 gemeinsame Ehejahre zurückblicken und diese feiern. Die Eheleute Marianne und Hans Hochrein haben das geschafft: Am Mittwoch haben sie im Volkshaus ihre Eiserne Hochzeit gefeiert. Auf den Tag genau 65 Jahren zuvor hatten sie sich im Jahr 1954 im Standesamt Höchst das Jawort gegeben.

Alles begann mit einem Hausbau: Während die Hochreins 1952 in der Kurmainzer Straße ihr Haus bauten, packte auch der junge Hans Hochrein auf der Baustelle seiner Eltern mit an. „Nebenan hatte eine Gaststätte eröffnet. Dort arbeitete Marianne im Haushalt und ich habe sie am Fenster schon erblickt“, erinnert sich der 86-Jährige an den ersten Kontakt mit seiner späteren Braut. Seine Frau fügt hinzu: „Ich hatte ihn auch schon auf der Baustelle gesehen. Er sah hübsch aus und war jemand, der gut anpacken konnte. Ein Mann, der mit Schirm und Aktentasche zur Arbeit geht, das war nichts für mich.“
Die damals 18-Jährige sei sehr schüchtern gewesen und habe Männern generell nicht getraut. Auch Hans Hochrein war schüchtern. Eines Tages ging er mit einem Freund in die Wirtschaft. „Es roch herrlich nach Kuchen. Ich fragte gleich, was das für ein herrlicher Duft ist.“ Die Wirtschafterin habe nur gesagt: „Mein Mariandel hat Streuselkuchen gebacken.“ Hans Hochrein aß ein Stück und die Geschichte nahm ihren Lauf. Das erste „Date“ hatten die beiden im Kino. Welchen Film sie angeschaut haben, wissen sie heute nicht mehr. „Ich war so aufgeregt, ich weiß es einfach nicht mehr“, erinnert sich Marianne Hochrein. Ostern 1954 verlobten sich die beiden und sechs Tage vor Weihnachten standen sie vor dem Standesbeamten. Am zweiten Weihnachtsfeiertag wurde dann kirchlich geheiratet – in Hannoversch Münden, denn da kommt Marianne Hochrein ursprünglich her.
Zu ihrem Ehrentag gratulierte Oberbürgermeister Peter Feldmann dem Ehepaar persönlich im Sossenheimer Volkshaus: „Es ist mir eine große Freude, euch zur Eisernen Hochzeit zu gratulieren.“ Das Stadtoberhaupt sagte, dass es nicht viele Ehepaare gebe, die dieses Jubiläum erleben dürften. Die Beziehung von Marianne und Hans Hochrein sei auf Ehrlichkeit aufgebaut und das gebe Kraft und ihre Innigkeit sei kein Stück in die Jahre gekommen, sondern wachse immer weiter. „Ihr seid beide Sossenheimer Urgesteine und wichtige Stützen im Stadtteil, die sich immer um Nachbarn und Umfeld gekümmert haben.“
Marianne Hochrein, die nach der Hochzeit bei der Höchst AG arbeitete, betrieb von 1962 bis 1972 gemeinsam mit ihrem Mann eine Tankstelle in Zeilsheim. Anschließend war sie bis zu ihrem Ruhestand angestellt bei einer Frankfurter Textilfirma. Hans Hochrein, gelernter KFZ-Mechaniker, arbeitete zunächst bei ATE/BMW in Frankfurt. Bis zur Eröffnung der Tankstelle war er als Cheffahrer bei Nestle/Maggi tätig. Bis zum Eintritt in den Ruhestand 1994 war er Angestellter beim Ordnungsamt.
Beide sind aktive Mitglieder in der SPD – Hans Hochrein seit 47 Jahren und Marianne Hochrein seit 24 Jahren. Hans Hochrein, der im Schifferkrankenhaus in Sachsenhausen geboren wurde, lebte zunächst als Kind in Griesheim und Bockenheim, aber daran könne er sich nicht mehr erinnern. Sossenheim sei immer sein Zuhause gewesen. „Ich habe mich gleich hier wohlgefühlt“, erinnert sich seine Frau, die es wegen der Arbeit aus Hannoversch Münden in den Frankfurter Westen verschlug.
„Liebe Marianne, du hast neben Familie und Beruf stets die Zeit fürs Ehrenamt gefunden. Du bist aktiv im Ortsverein Sossenheim und bist seit 15 Jahren Sozialpflegerin in Deinem Stadtteil. Lieber Hans, dein aufregender beruflicher Werdegang hat dich nicht davon abgehalten, aktiv zu sein. Du warst 23 Jahre Vorstandsmitglied des SPD-Ortsvereins und 18 Jahre Stadtbezirksvorsteher und Stellvertreter. Stets hast du als Wahlvorsteher zur Verfügung gestanden“, betonte Peter Feldmann und erinnerte an die Verleihung der silbernen Römerplakette an Marianne Hochrein in der Paulskirche im vergangenen September.
Trotz Arbeit und Ehrenamt, kam auch das Familienleben nie zu kurz, erklärt das Ehepaar. Die beiden haben vier Kinder, vier Enkel und einen Urenkel.
Als Geheimnis ihrer langen Ehe verrieten die beiden Jubilare, dass man sich auch nach einem Streit nie länger als einen Tag böse sein darf. „Man darf nie ohne Abschied das Haus verlassen und ohne ein ‚Gute Nacht‘ ins Bett gehen“, erklärten die beiden. Vor allem dürfe man den Respekt voreinander nicht verlieren.
Das Haus, mit dem die Geschichte der Hochreins begann, hat das Ehepaar 1968 ausgebaut und dort seine Kinder großgezogen. Sie leben heute noch dort, wo ihre Liebe begann. red

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