21. Juni 2022

Aus einem fast koscheren Leben

Die Autorin Barbara Bišický-Ehrlich las beim Sossenheimer Bücherwurm

Barbara Bišický-Ehrlich lässt als Werbe- und Synchronsprecherin jede Lesung zu einem Erlebnis werden. Foto: Mingram

Eine gute Bekannte war am 10. Juni zu Gast beim Förderkreis der Sossenheimer Stadtteilbibliothek. Barbara Bišický-Ehrlich hatte vor zwei Jahren bereits ihr erstes Buch vorgestellt und damit in Sossenheim schon eine kleine Stammleserschaft gewonnen.

Der Büchereileiterin Swantje Marschhäuser und der Vorsitzenden des Sossenheimer Bücherwurms, Marion Weber, war die Freude darüber anzusehen, dass nach der langen Corona-Pause endlich wieder Lesungen stattfinden können. Auch für das legendäre Pausen-Buffet hatten sich die Damen des Förderkreises wieder etwas einfallen lassen.
Wie Barbara Bišický-Ehrlich als Jüdin in Frankfurt lebt, ist wahrhaftig nicht mit ein paar Sätzen erzählt. Durch ihre autobiografische Geschichte „Sag dass es dir gut geht“ hatte man bereits einen Einblick in die besondere Situation der jüdischen Emigrantanfamilie erhalten. Die Autorin setzt sich darin unter anderem mit den Erlebnissen ihrer Vorfahren während der NS-Zeit auseinander, muss als Nachgeborene von Menschen, die den Holocaust überlebt hatten, ihren Weg finden. Das neue Buch „Der Rabbiner ohne Schuh“ ist äußerst amüsant und unterhaltsam geschrieben.
Selbstironisch und augenzwinkernd gewährt „Báro“, wie sie von ihren Eltern auf tschechisch genannt wird, Einblicke in Feier-, Ess- und andere Rituale sowie manch kuriose Erlebnisse und eben auch in das ganz „normale“ jüdische Leben. Was die Lesungen von Barbara Bišický-Ehrlich so besonders macht, ist ihr Lesestil, der fast ein kleines Theaterstück aus jedem Kapitel macht. Den tschechischen Akzent der Mitwirkenden könnte man ohnehin nicht ausschließlich lesend erleben. Nach jedem Kapitel will man mehr. Ganz unvermittelt wird man dann noch mit einem Thema konfrontiert, das Juden auch – oder gerade – in unserer Zeit mehr zu schaffen macht als man es mancherorts überhaupt wahrhaben will: Judenfeindlichkeit oder gar Judenhass, dem auch die Autorin und ihre Kinder erschreckend häufig ausgesetzt sind. Dazu findet sich in ihrem Buch ein passender Satz: „Vor Beschränktheit und Intoleranz schützen weder Staats- oder Religionszugehörigkeit noch ein akademischer Bildungsgrad.“ mi

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